Ein Gespräch zwischen Gott und Mensch

Heilig-Abend-Gottesdienste die beliebtesten Gottesdienste in der EKiR

Vielleicht kennen Sie das: An einem ganz „normalen“ Sonntag sitzen nur ein paar Menschen über das Kirchenschiff verteilt auf den Stühlen oder Bänken. Es sind zumeist immer dieselben, darunter kaum mehr jüngere Leute. Selten schauen „Neue“ herein. Was bedeutet das? Nichts mehr los bei uns? Der Niedergang der christlichen Kirchen ist eingeläutet? Nein. So schlimm ist es, Gott sei Dank, (noch) nicht.

Was sagen denn die Zahlen über den Gottesdienst in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR)? Sie geben ein vielfältiges Bild. So ist zum Beispiel die Anzahl der angebotenen Gottesdienste in den vergangenen vier Jahrzehnten recht stabil. In der EKiR mit ihren gut 800 Kirchengemeinden gab es fast jedes Jahr über 90.000 Sonntagsgottesdienste – und nie weniger als 100.000 pro Jahr. Recht beständig ist auch die Zahl der Schulgottesdienste. Eine aufsteigende Kurve bilden die Familiengottesdienste. Ihre Zahl kletterte von unter 4.000 um das Jahr 1980 auf über 6.000 im Jahr 2000. So weit, so gut.

Aber eine Abwärtskurve bilden die durchschnittlichen Gottesdienstbesuche dennoch. Zählungen seit 1949 und berechnet aus drei so genannten Zählsonntagen ergeben: Anfangs gingen noch über zehn Prozent der rheinischen Protestantinnen und Protestanten sonn- und feiertags zur Kirche. Das tun heute nicht einmal mehr die Hälfte: fünf Prozent.
Davon unbeeindruckt haben die Gläubigen zwischen Emmerich und Saarbrücken jedoch einen „Lieblingsgottesdienst“, und der erfreut sich auch zunehmenden Besuchs. Laut Statistischem Dienst der EKiR wuchs der sehr hohe Besuch der Gottesdienste an Heilig Abend sogar in den vergangenen 25 Jahren an. Etwa ein Viertel der Gemeindeglieder geht am 24. Dezember zur Kirche. Immerhin.

Bleibt aber trotzdem die Tatsache, dass „die Kirche“ etwas tun muss: Wir müssen etwas tun. Und da ist die Friedenskirchengemeinde auf einem guten Weg: Wir haben uns ein Profil erarbeitet, ein Leitbild. Mehr zum Kultur.Punkt, den Kunstausstellungen und dem, was sonst noch so bei uns los ist, erfahren Sie auf den entsprechenden Seiten.

Grundsätzlich ist unser Ziel, Sie alle mit einzubinden, wir möchten Angebote für Menschen schaffen, denen der Weg über die Schwelle eines Kirchenportals zu gehen, nicht mehr so leicht fällt, nicht mehr selbstverständlich ist. Das tun wir nicht nur mit unseren Konzerten, den anderen künstlerischen Darbietungen und unserem Café. Auch und vor allem die lebens- und alltagsnahen Predigten der Pfarrer, auf die wir besonders stolz sind, helfen Ihnen, einen Gottesdienst als Ruhepunkt, als Anregung, als Meditation oder wie auch immer Sie das bezeichnen möchten, zu empfinden.

Hierzu ein paar Erläuterungen:

Versammelt im Namen Gottes

Mindestens sonn- und feiertags sollten die evangelischen Gemeinden zum Gottesdienst zusammen kommen

„So oft wie möglich“ versammelt sich die christliche Gemeinde „im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, sprich zum Gottesdienst. So oft wie möglich? Das präzisiert die Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR): Mindestens an jedem Sonntag und an jedem kirchlichen Feiertag sollen die Protestantinnen und Protestanten Gottesdienst feiern.

Die klassische Definition des Gottesdienstes hat der Reformator Martin Luther geliefert. Bei der Einweihung der Schlosskapelle zu Torgau am 5. Oktober 1544 stellte er fest: Das neue Haus soll dahin ausgerichtet werden, „dass nichts anderes darin geschehe, denn dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang“.

Der Gottesdienst als Gespräch zwischen Gott und Mensch. Dies geschieht in vielfältigen Formen: Kindergottesdienst, Familiengottesdienst, Krabbelgottesdienst, Schulgottesdienst. Die Gesamtverantwortung für den Gottesdienst in der Gemeinde liegt beim Presbyterium, also der gewählten Gemeindeleitung. Den jeweiligen Gottesdienst leiten Pfarrerin oder Pfarrer, Predigthelferinnen oder Predighelfer sowie Lektorin oder Lektor.

Gott ganz nah: Mit Brot und Wein

In Erinnerung an Jesu letztes Abendmahl mit seinen Jüngern feiern Christinnen und Christen den Abendmahlsgottesdienst

Die Feier des Abendmahls geht auf das letzte Mahl zurück, das Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern hielt. Der Abendmahlsgottesdienst erinnert an dieses Mahl. Die Teilnehmenden teilen Brot und Wein, wie Jesus Christus es mit seinen Jüngern geteilt hat. Brot und Wein sind die Zeichen für die Anteilnahme „an Jesu für alle dahingegebenen Leib und Blut“, wie ein Theologe formuliert.

Beim letzten Abendmahl hatte Jesus seinen Jüngern das Brot gereicht und gesagt: „Das ist mein Leib.“ Danach gab er ihnen einen Kelch mit Wein und sagte: „Nehmt hin, das ist mein Blut, das für Euch vergossen ist zur Vergebung der Sünden.“ Mit diesen Worten wird das Abendmahl bis heute eingesetzt. Dabei teilen die Gläubigen meist Oblaten aus ungesäuertem Teig. Statt Wein wird häufig Traubensaft gereicht.

Für viele Christinnen und Christen ist das Abendmahl die zentrale Feier in ihrem Glaubensleben. Hier wird Gemeinschaft mit Gott und anderen Gläubigen und Sündenvergebung erfahren. Für viele ist die Feier des Abendmahls ein ganz besonders heiliger Augenblick, der geschützt werden muss. So sind alle an den Tisch des Herrn eingeladen, egal welcher Konfession und in welcher Lebenssituation sie stehen. Nur jeder selbst kann sich von dieser Einladung ausschließen.

Dieses Abendmahlsverständnis erlaubt es auch, dass in Rheinland Kinder das Abendmahl mitfeiern dürfen. Noch kann jede Gemeinde dies in der Praxis unterschiedlich handhaben, aber weitere Beratungen scheinen hier nötig.

In der Friedenskirche feiern wir das Abendmahl in einem großen Kreis rund um den Altar. Oft scheint die Sonne in den Chorraum, was zu einer ganz besonderen Atmosphäre beiträgt. Es gibt Einzelkelche mit Wein oder Traubensaft, wer mag, kann auch aus dem Gemeinschaftskelch trinken.

Zum Segen fassen wir uns alle an und spüren deutlich die große Verbundenheit untereinander und zu Christus.