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Gedanken zur Zeit

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe: die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
Und Friede auf Erden
Bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt all diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

LUKAS 2, 1-20

 

 

Jahreslosung 2020 :                              Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

(Markus 9,24)

Dieser Satz drückt die Zwiespältigkeit aus, die wir heute vielleicht empfinden. Die Zwiespältigkeit, die sich schon beim doppelköpfigen römischen Gott Janus wiederfindet, auf den unser Monatsname Januar zurückgeht.

Der Gott des Anfangs und des Endes, der zugleich die Dualität in allen Dingen symbolisiert. Die Zwiespältigkeit, die wir vielleicht empfinden im Blick auf das vergangene Jahr und in der Erwartung dessen, was uns das neue Jahr bringt. Und die Zwiespältigkeit in meinem eigenen Glauben.

Die Zwiespältigkeit von Hoffnung auf Heilung, auf Liebe, auf Freude, auf Sicherheit – und der Angst vor der Enttäuschung. Ich kenne Menschen, die erlauben sich nicht mehr zu hoffen, damit sie nicht enttäuscht werden. Das ist traurig. Und die Zwiespältigkeit von Vertrauen und Zweifel und dem Wunsch, stärker vertrauen zu können. Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass mit dem Vertrauen zu Gott das Leben leichter wird. Nicht, dass mir Schweres erspart bleibt, doch Vertrauen hilft, es besser zu tragen.

Doch Vertrauen kann ich mir nicht befehlen. Ich kann aber einiges dafür tun, dass es mir leichter fällt, Gott zu vertrauen. Indem ich mich immer wieder an die Gelegenheiten erinnere, in denen Gottes Hilfe und Fürsorge, seinen Schutz und Segen erfahren habe. Ich hoffe, es gibt in jedem Leben diese Erfahrungen. Ich möchte sie nicht vergessen, damit ich beim nächsten Mal, wenn der Zweifel an mir nagt, nicht so schutzlos bin. Und das wichtigste „Hilfsmittel“ für das Vertrauen ist in meinen Augen das Gebet. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Dieser Verzweiflungsschrei ist ja auch ein Gebet. Eine flehende Bitte um Gottes Hilfe, dass mein Glaube und mein Vertrauen stärker sind als der Zweifel und der äußere Anschein, der meinen Zweifel nährt.

Nach menschlicher Erfahrung ist der Wunsch des Vaters nach Heilung seines Sohnes unrealistisch. Vertrauen heißt, Gottes Möglichkeiten höher einzuschätzen als menschliche Erfahrung. Um dieses Vertrauen kann ich Gott bitten.

Am Ende der Geschichte fragen die Jünger Jesus, warum sie den Jungen nicht heilen – den Dämon nicht austreiben – konnten und Jesus antwortet: „Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.“ Vielleicht bezieht sich das auch auf den „Dämon“ Zweifel, der uns arg plagen kann.

Die Jahreslosung ist eine Einladung zum beständigen Gebet um Glauben und Vertrauen. Hilf meinem Unglauben – wer so bittet, hat auch in allem Unglauben die Hoffnung, dass Gottes Hilfe möglich ist.