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Gedanken zur Zeit

Abendmahl am Morgen

Abend-Mahl – am Morgen?

Die Feier des Abendmahls ist der Kern des Gottesdienstes der jungen Christen-Gemeinde in ihren Anfängen – nach Jesu Tod und Auferstehung und Pfingsten.
In der Apostelgeschichte wird es von Lukas, der auch das Lukas-Evangelium verfasst hat, beschrieben:
Apg 2, 42 ff: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. … 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen …“ „Sie blieben beständig in Lehre…Gemeinschaft… und im Brotbrechen. …Sie brachen das Brot…“ Das Miteinander im Teilen des Brotes war der Anfang der gemeinsamen christlichen Gottesdienst-Feiern.

Jesus selbst hatte mit seinen Freunden am Abend vor seinem Tod (für uns: Gründonnerstag) das jüdische Passahmahl gefeiert und es bei dieser Gelegenheit neu gedeutet und auf sich selbst bezogen.

Eine wunderschöne, sehr fürsorgliche Geste kommt da zum Ausdruck. Im Grunde sagt er seinen Freunden da: Wenn ich nicht mehr bei euch bin, dann feiert dieses vertraute Mahl immer wieder miteinander! Erinnert euch daran, wie wir es gemeinsam gefeiert haben. Und dann spürt ihr unsere Gemeinschaft noch einmal sehr deutlich – ich bin immer noch bei euch!

Für die einen ist es danach so, als wäre er leibhaftig im Brot gegenwärtig und für die anderen ist es wie eine intensive Erinnerung an gemeinsame Zeiten.
Die katholische Sichtweise auf das Abendmahl ist so: das Brot und der Wein verwandeln sich in der Eucharistie in seinen Leib und sein Blut. Auch wenn es immer noch so aussieht wie Brot und Wein.

Für uns Evangelische Christen steht die Gemeinschaft und der Erinnerungsgedanke im Vordergrund. Doch alle Sichtweisen haben auch ihre Berechtigung.
Wunderschön zu erfahren in Taizé, wenn im Morgengebet das Abendmahl in allen Gestalten: als einfaches duftendes Brot, und als Hostie mit der Möglichkeit, sie in Wein einzutauchen, was wir im Gottesdienst der Friedenskirche als intinctio = eintauchen feiern, neben der Sitte, den Kelch zu nehmen!

Der Ursprung des Passah-Mahles – das feierte Jesus nämlich an dem Abend – liegt in der Erzählung vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten:
Das Volk flieht nach vielem Hin-und-Her zwischen Mose und dem Pharao schließlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Land der Sklaverei.

Bevor sie sich aufmachen, stärkten sie sich noch ein letztes Mal mit auf heißen Steinen gebackenem, ungesäuertem Brot, sie schlachteten schnell eine kleine Ziege, brieten das Fleisch und aßen alles im Stehen, denn so unmittelbar vor dem Aufbruch konnte sich niemand ruhig hinsetzen. Gott gab ihnen den Auftrag, in Erinnerung an den Weg in die Freiheit, dieses Passah-Mahl immer wieder zu feiern. Juden tun es bis heute!

Jesus stammt aus dieser Tradition und hat es vor seinem Tod für seine Freunde – und so auch für uns – neu interpretiert. Wie schön, wenn wir in großer Runde beim Abendmahl am Morgen im Gottesdienst zusammenstehen, die Erinnerung an Jesu Fürsorge und die uralten Wurzeln des Mahles der Freiheit im Sinn haben und in Würde dem Geheimnis seiner Nähe und Gegenwart Raum geben.

Manch ein Katholik beneidet uns darum! Bleiben wir dabei, beständig mit einander Brot zu brechen. Das tut unserer spirituellen Gemeinschaft gut.
Sylvia Pleger