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Nachgedacht

Pfarrer

Marc-Albrecht Harms

Weihnachten ohne Nüsse und Mandeln? Eigentlich undenkbar, oder? Früher hingen Nüsse vergoldet als Schmuck am Weihnachtsbaum. Manchmal liegen sie in einer Schale und warten darauf, geknackt zu wer- den. Sie fühlen sich sehr unterschiedlich an und sehen verschieden aus: die Haselnuss ist glatt und ebenmäßig; die Paranuss kantig und steinhart; die Walnuss hat tiefe Furchen.

Aber es kommt gar nicht so sehr auf die Schale an, sondern vielmehr auf den Kern im Innern, auf das Geheimnis, das die Nuss unter ihrer Schale birgt, süß oder herzhaft. Köstlich, nahrhaft und wohlschmeckend ist die Frucht. Behutsam muss man vorgehen, um an den Kern der Nuss zu gelangen, ohne ihn zu verletzen.

Der Kern ist Träger verborgenen Lebens – unter harter Schale ist das Wesentliche, von außen unsichtbar, verborgen.

Weihnachten ist das Fest der Mensch- werdung, der Fleischwerdung Gottes. Das bedeutet: Der Kern lässt sich in eine Schale fassen, wird äußerlich so hart oder weich, so rau oder glatt und so verletzlich wie wir.

Weihnachten: Gott wird Mensch, klein und unscheinbar wird Gott, ein Mensch und leicht zu übersehen, vergleichbar mit einer unscheinbaren Nuss, die Kostbares birgt.

Wer dem Mensch werdenden Gott begegnen will, das Geheimnis seiner Menschenfreundlichkeit entdecken will, der muss sich bücken, muss Nüsse knacken, um zum Kern des göttlichen Geheimnisses zu gelangen.

Dieses Kind der Niedrigkeit bricht die harte Schale auf, die Herzen und Verhältnisse hart macht: den harten Panzer der Lieblosigkeit, des Unfriedens, des Rechthabenwollens.

Im Kern seiner Geburt ist das Programm seines Lebens schon angelegt, eine Lebens- und Liebesbotschaft, die unsere engen, harten Grenzen sprengt. Oder ganz anders gesagt: Als ein Besucher an die Himmelstüre klopft und nach Gott fragt, antwortet der Engel dem Besucher: „Gott arbeitet unten!“

Ihr Pfarrer Marc-Albrecht Harms