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Nachgedacht

 

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Was wird sein, wenn die Zeit mit dem C-Wort vorbei ist! Werden wir zu der früher geliebten Normalität zurückkehren (können)? Oder bleiben wir in einem innerlichen Lock-down stecken? Was für eine Zeit?

Für alle bleibt irgendwie etwas auf der Strecke: für die Jungen fehlt das sich Ausprobieren, das Feten feiern, sich an die Liebe herantasten–im Alter von 13, 14, 15 spielt ein Jahr eine größere Rolle als später, meinen manche! Aber auch den Älteren fehlt dieses Jahr – zum Reisen oder andere wichtige Dinge tun, denn wer weiß, wie wir in zwei Jahren gesundheitlich dran sind.
Manch einer denkt: da geht diese harte Zeit ins Land und mir zerrinnt die Zeit in den Tagen, Wochen und Monaten zwischen den Fingern.
Wann hört das endlich auf? Wie konnte es nur soweit kommen?
So ähnlich hat das Volk Israel auch gedacht, als es in der (Kriegs-) Gefangenschaft in Babylonien war. Doch diese Zeit wurde eine der prägendsten in der Geschichte Israels: Sie (hinter-)fragten vieles, sie zweifelten an vielem, sie suchten Antworten, die aber nicht einfach waren. Doch sie bleiben in einer Denk-Bewegung. Am Ende gab es vor allem eine Antwort auf die Frage: Wer sind wir eigentlich? Das war klar: Jahwe/Gott war immer noch ihr Gott, er hatte sich nicht von – sondern holte sie zurück in das Land, woher sie gekommen waren vor vielen Jahren – er hatte sich mit Ihnen versöhnt  und sie hatten dazu gelernt: auf diesen Gott können wir bauen! Ihm vertrauten sie. Die lange und nicht immer einfache Geschichte Jahwes mit seinem Volk zieht sich bis in unsere Zeit, denn auch wir sind Teil seines Volkes geworden. Auch nach dem letzten großen Krieg war die Rückkehr in die Normalität ein wichtiger Schritt. Vieles mußte neu gelernt werden. Und dennoch gehen Menschen immer wieder neu auf die Suche nach dem, was uns mit diesem Gott verbindet.

Die Kraft der Zuversicht trägt uns dabei. Wir dürfen lernen, dass Einsicht in eigene Fehler uns weiterbringt als hartnäckiges Verleugnen.

Die Passionszeit erinnert uns an die barmherzige Bereitschaft Gottes, eher sel- ber zu leiden als Rache übend zu strafen. Diese Zeit führt uns über Gründonnerstag und Karfreitag hin zu Ostern, dem Fest des immer währenden Neubeginns des Lebens. Ihnen allen eine nachdenkliche,
aber geduldige Passionszeit und ein frohes Osterfest!

Ihre Pfarrerin Sylvia Pleger