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Nachgedacht

Vom guten Umgang miteinander –
Vom Du zum Ich!

Immer mehr Politiker geben ihre Facebook-Accounts auf – zu oft werden sie in übelster Weise beschimpft. In der Anonymität des Internets und unter falschen Namen (Nick-Name) lassen sich Menschen zu allerlei üblen Kommentaren hinreißen, ohne sich offen dem menschlichen Gegenüber stellen zu müssen. Gehässigkeit, grund-/boden- und gnadenlose Wut brechen sich oft verletzend Bahn.

Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich solche zitierten Chat-Verläufe lese: Welche gnadenlose Herabwürdigung ist da im Spiel?
Würden diese Dinge auch von Angesicht zu Angesicht gesagt werden?
Wer schwingt sich dort zu Bewertungen und Schmährufen auf?
Es ist oft widerlich!

Dabei bin ich gar nicht harmoniesüchtig – ich freue mich aber, wenn ein Gespräch harmonisch verläuft. Wenn im Idealfall – beide Seiten neue Gesichtspunkte erkennen und am Ende das Gefühl bleibt: das war eine echte Begegnung! Und: da hat sich was bewegt! Auf der einen und der anderen Seite.
Im Wort „Begegnung“ steckt schon ein „gegen“ drin. Aber aus dieser Spannung zwischen mir und anderem kann sich etwas entwickeln. Dazu muss ich das andere DU auch gelten lassen, offen für dieses DU sein.

Wenn ich aber lediglich mir Vertrautes und Bekanntes an mich heran lasse, was soll mir noch be-geg-nen – im Sinne eines Erkenntnisgewinns?
Aber genau das freut mich, weil sich etwas entwickelt hat: neue Gedanken!

Im normalen Leben begegnen uns nicht selten Menschen, die nur eine Haltung kennen: Ich! und: von oben herab!
Solche Menschen machen es anderen schwer, denn sie vermeiden eine wirkliche Begegnung durch ihre „von-oben-herab-Haltung“.

Martin Buber, der jüdische Sozial-Philosoph, hat uns viele gute Gedanken geschenkt: z.B.: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung!“ Und weiter sinngemäß: „Am Du wird der Mensch zum ich“ – erst in der wirklichen Begegnung, da wo keine Vor-Urteile und –Festlegungen zwischen Menschen stehen, wo es hin und her gehen kann, wo hören und sprechen im Gleichgewicht und auf Augenhöhe sind, da kann es geschehen, dass in einer Begegnung mit Andersdenkenden auch etwas überraschend Göttliches durchscheint. Denn „Gott ist (auch immer) der ganz Andere“. So bringt es Karl Barth, einer der großen Theologen des 20. Jahrhunderts auf den Punkt. (Vortrag Alte Kirche, Krefeld: 7.11. 2019, 19 Uhr)

Festgefahrene Haltungen und Erwartungen verhindern wirkliche Begegnung. Ob Gott als der ganz Andere da einen Ort findet?
Ihre Sylvia Pleger