Sie sind hier: Startseite » Kirche » Nachgedacht

Nachgedacht

Pfarrer

Marc-Albrecht Harms

„Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist, und dass es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht vielen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rührt, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen, zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn ein Wilder aufhört, an seinen hölzernen Gott zu glauben, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.“ Leo Tolstoi (1828-1910)

Die Sommerzeit ist oftmals eine Zeit, in der wir unbeschwerter leben und uns den Fragen widmen können, die in der übrigen Zeit des Jahres keinen Raum finden, so auch der Frage nach Gott, nach unserem Glauben.

Bei der Abfassung dieser Zeilen tobt der grausame Krieg in der Ukraine, den Russland gegen seinen Nachbarn, die Ukraine, völkerrechtswidrig begonnen hat. Dieser Krieg, wie alle Kriege, bringt viel Leid und Tod über das Volk der Ukraine, aber auch über das Volk der Russen.

Da kann unser Glaube in eine ernste Krise geraten. Wo ist Gott denn jetzt? Das Blut der Opfer schreit zum Himmel. Und ja: unser Glaube ist herausgefordert durch den Krieg. Die Täter und ihre religiösen Mittäter werden von Gott zur Rechenschaft gezogen.

Wir bekennen Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis, dass Christus mit der Vollmacht des Allmächtigen kommen wird und richten wird, nämlich die Lebenden und die Toten. Das ist eine – bisher eher im Schatten stehende – Vorstellung unseres Glaubens, dass unsere Taten, unsere Geschichte am Ende durch Christus zurechtgebracht wird. Aber angesichts dieser existentiellen Situation des Krieges in Europa bedarf es einer Überlegung, ob wir es uns mit unserem „lieben Gott“ nicht zu kuschelig und heimelig gemacht haben.

Ich wünsche Ihnen eine Zeit des Nachdenkens über Gott und über Christus in diesem Sommer und freue mich auf die weiteren Gespräche und Begegnungen, bei denen wir uns dann über die von mir gestellten Fragen austauschen können.

Ihr Pfarrer Marc-Albrecht Harms