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Nachgedacht

 

Foto aus: Gemeindebrief Magazin für Öffentlichkeitsarbeit

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CORONA-ZEIT – ein neues Zeitalter?
Was für ein Entsetzen war das für viele von uns: Plötzlich lief nichts mehr! Keine Ge- schäfte mehr offen, außer Lebensmittelläden! Büros ins Home-Office verlegt, Gottesdienste fielen aus. Keine öffentlichen Verkehrsmittel, kein Flugverkehr, Fabriken geschlossen, Gas- stätten zu, keine Schule, keine Uni, nichts lief mehr… außer Paketdiensten, und natürlich – unter Applaus! – die Menschen, die die Pflege aufrecht hielten, Pflegepersonal und Ärztinnen und Ärzte.
Mitten in der Woche Stille wie an einem Sonntagmorgen… Dass manch einer das wohl auch genossen hat, davon lesen Sie spä- ter im Gemeindebrief.

Manch einer fragte sich und dann auch mich und Kollegen: Ist das eine Strafe Gottes?

Aber, liebe Menschen: Mal Hand aufs Herz!

Wer wollte sich dazu aufschwingen, Gottes Willen zu lesen? Kein Mensch weiß, was Gott denkt. Gott kennt wohl unsere Gedanken, aber wir nicht seine. Wenn jemand meint, er könne Gottes Willen für einzelne Situationen erkennen, der macht sich ein festes Bild von ihm. Davon genau wird in den 10 Geboten zutiefst abgeraten. Denn dann machen wir uns Gott für unsere eigenen Dinge zunutze. Vielmehr wird durch Corona einmal mehr deutlich, wie verletzlich unser Leben ist und dass wir alle auf einander angewiesen sind. Selten gab es die Gelegenheit, die Verant- wortung für uns und andere so hautnah zu spüren. Deshalb ist die Mund-Nasen-Schutz- Pflicht im Verhältnis zur Wirkung ein recht kleines Opfer, das wir bringen müssen.

Wer im Zusammenhang mit Corona- Schutzmaßnahmen nur seine Freiheit be- droht sieht, der hat seine Verantwortung noch nicht erfasst.

Dass im Anfang der Corona-Pandemie die wissenschaftliche Beschreibung und Be- kämpfung noch recht widersprüchlich war, liegt vor allem daran, dass man die Wirkweise des Virus noch nicht kannte und sich täglich neue Erkenntnisse auftraten. In jedem Fall können wir weltweit erkennen, dass es dort, wo die Pandemie nicht ernst genommen wurde, zu massiven Wellen und Todesfällen kam und weiterhin kommt. Warum sind da vor allem die Länder betroffen, in denen ziemlich autokratische Regierungen an der Macht sind? Vielleicht ist die Lehre aus Co- rona vor allem die Erkenntnis wie sensibel und wie sehr unser Leben mit dem Anderer verwoben ist. Wir werden sorgsam darauf achten müssen, dass wir die anderen nicht vor allem als Bedrohung wahrnehmen sondern als schützenswert! Denn wir selber können sowohl Bedrohung sein wie wir auch bedroht sind.

Das ist keine einfache Balance, aber eine wichtige Aufgabe.
Dann ist Corona keine Strafe, sondern ein Lernfeld der Solidarität.

„Denn Gott will, dass allen Menschen gehol- fen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen!“
In der Hoffnung, dass diese Erkenntnis auch einen wirksamen Impfstoff enthält, freue ich mich auf alles, was wieder verantwortete Nähe zulässt!

Ihre Pfarrerin Sylvia Pleger