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Historie und Entstehung der Friedenskirche Krefeld

Die Friedenskirche in Krefeld besteht nun seit über l40 Jahren. Ihren Ursprung hat sie in dem raschen Wachstum der evangelischen Krefelder Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schon 1817 hatten sich die evangelischen Christen zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Dies geschah auf Grund der Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. vom 11. Oktober des gleichen Jahres. nach der sich alle evangelischen Untertanen zum 300-jährigen Jubiläum der Reformation zu vereinigen hatten. Erst 1959 wurden mehrere getrennte Gemeinden eingerichtet.

Die alteingesessene ehemalige Dionysos Kirche – heute „Alte Kirche“ – hatte schon bald nicht mehr die Kapazität allen protestantischen Krefeldern genügend Raum zu bieten. So wurde 1852 mit den Planungen für ein neues Kirchengebäude in der Innenstadt begonnen. Das Projekt nahm aber erst 19 Jahre später konkrete Formen an, als die Gemeinde 1869 einen Architekten Wettbewerb ausschrieb. Den ersten Preis von 400 Thalern (etwa 6200 Euro) und damit den Auftrag eine zweite evangelische Kirche in Krefeld zu errichten, erhielt der Kölner Baumeister August Hartel. Nach diesem ersten Großauftrag baute Hartel noch bis 1889 zahlreiche Kirchen in Rheinland und Westfalen.

Friedenskirche um 1900

Das Presbyterium stellte an den Kölner nicht den Anspruch einen Prachtbau herzustellen, sondern vielmehr eine Kirche, die, wie die vorhandene, in gutem geschmackvollen Style ausgeführt unseren Bedürfnissen entspricht.

Die Friedenskirche ist als erste Kirche in Krefeld gleich als evangelisches Kirchengebäude errichtet worden. Sie wurde in diesem Geist nicht als Prozessions- oder Wegkirche, sondern als Feierkirche der evangelischen Christen in Krefeld erbaut. Die Baukosten waren nach heutigem Verständnis erstaunlich preiswert, verglichen mit den Anschaffungskosten der Orgel oder der Glocken. Der Kaufpreis des Grundstückes am Luisenplatz belief sich auf etwa 200.000 € nach heutigem Wert. Der gesamte Kirchenbau wurde mit etwa 1,1 Millionen Euro veranschlagt.

Während der Planungsphase zwischen 1869 und 1871 kam es im ehemaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das schon seit dem 18. Jahrhundert offiziell nicht mehr bestand, zu grundlegenden Veränderungen. Nach den drei Einigungskriegen, erst gegen Dänemark, dann Österreich und schließlich Frankreich. hatten sich die deutschen Fürstentümer unter preußischer Führung 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Reich zusammengeschlossen.

Inspiriert von dem gleichzeitigen Friedensschluss mit Frankreich und der scheinbar endgültigen Beendigung alle innerdeutschen Konflikte, erhielt die neue Kirche bei ihrer Fertigstellung 1874 den Namen Friedenskirche.

Es dauerte jedoch noch eine Weile. bis sie zur Vollendung kam. Die erste Orgel, das 294. Werk der Orgelbauer E.F.WALCKER & Cie aus Ludwigsburg wurde erst später aufgestellt.

Die Heizungsanlage musste nach einem Brand um die Jahrhundertwende, bei der einige Kirchenbänke zerstört wurden, ausgetauscht werden, was erst 1907 abgeschlossen war. Ebenso wurde die Beleuchtungsanlage in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mehrfach umgebaut, um dem schnellen technischen Fortschritt auf diesem Gebiet gerecht zu werden. Schon in den ersten Jahren nach der Fertigstellung konnte die Altkatholische Gemeinde Krefelds ihre Gottesdienste in der neuen Kirche feiern, bis sie ein eigenes Gotteshaus erhielten.

Friedenskirche um 1945

Nach Ende des 1. Weltkrieges wurde die Orgelempore vergrößert um dem Anspruch, musikalische Aufführungen im größeren Stil ausrichten zu können, Rechnung zu tragen. Bei diesen Veränderungen blieb es bis zur Bombennacht vom 21. auf den 22. Juni 1943, in der die Kirche weitgehend zerstört wurde.

Der Wiederaufbau erfolgte 1955-57 unter Architekt Ernst Schaefer. Durch die Umgestaltung der Fenster und Kanzel sollte ein lichter und freundlicher Kirchraum entstehen. Es blieb lange unentschieden wie mit dem Kirchturm zu verfahren sei. Es gab Überlegungen den Turm um ein Drittel zu kürzen, ganz abzutragen oder vollständig mit spitzem Helm wieder herzustellen. Das Presbyterium entschloss sich zu dem Mittelweg, den Turm in alter Höhe zu restaurieren und nur auf den Helm zu verzichten, sowohl aus Kostengründen, als auch um die Friedenskirche als Kriegsmahnmal zu erhalten.

Am 12. Oktober 1957 erfolgte die feierliche Einweihung einer mehr als voll besetzten Kirche durch Oberkirchenrat Prof. Dr. Beckmann, Superintendent Weiss, dem Vorsitzenden des Presbyteriums, Pfarrer Hornig und Pfarrer Lagemann. Erst in den 80er Jahren des 20 Jahrhunderts kam es zu neuen baulichen Maßnahmen. Schon 1973 hatten sich bei einer Baubegehung des Turmes lose Steinbrocken in den Wasserspeiern befunden.

Friedenskirche um 2000

1983/84, also pünktlich zum 110 Geburtstag der Kirche, war klar, dass der Eifel-Tuffstein des Turmes die Belastungen durch die Luftverschmutzung der vorangegangen Jahre nicht gut überstanden hatte. Es fanden sich faustgroße Gesteinsbrocken auf dem Pflaster des Vorplatzes. Das Presbyterium beschloss, trotz der immensen Kosten von 1,3 bis 1,5 Millionen Mark, den Turm sanieren zu lassen, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen, den einzigartigen Charakter der Friedenskirche bestehen zu lassen und Krefeld ein wichtiges Wahrzeichen zu erhalten. Außerdem wurde schnell klar. dass ein Abtragen des Turmes deutlich höhere Kosten verursacht hätte.
Da das Denkmalpflege-Amt nur einen geringen Teil der Kosten zu tragen bereit war, wurde der Löwenanteil der Kosten durch Spenden und Einnahmen der Gemeindeglieder getragen. So sanierten Steinmetze unter der Leitung des Architekten Günther Thomas das marode Gestein des Turmes mit stabilerem Basalt. Kurz vor der zweiten Jahrhundertwende. die die Friedenskirche erleben durfte kam es zum vorerst letzten großen Bauvorhaben der Friedenskirchengemeinde.

Das alte Gemeindehaus, das sich seit den 50ern an die Kirche anschloss, wurde abgerissen, die Wiese am Luisenplatz veräußert und 1999 schließlich der Grundstein des neuen Gemeindehauses gelegt. Dieser Neubau eines nun größeren, helleren und deutlich flexibleren Gebäudes steht ganz im Geiste der ursprünglichen Erbauer der Friedenskirche. Er bietet Raum für die vielfältigen Anforderungen moderner Citykirchenarbeit. wie sie seit dem Jahre 2000 fester Bestandteil der Gemeinde ist. Somit schlägt diese neue weitere Nutzung des Kirchraumes, einen direkten Bogen zu Anliegen des Presbyteriums von 1869 eine Festkirche zu schaffen. Ein Zentrum nicht nur für die evangelischen Christen Krefelds.

Mit ihrem Auftrag als Festkirche war schon seit ihrer Fertigstellung untrennbar die Kirchenmusik verbunden. Die Friedenskirche erhielt, wie bereits berichtet, relativ kurz nach ihrer Einweihung eine Walcker Orgel. Ihre Anschaffung kostete nach heutigem Wert etwa 420.000 Euro.

Schon 1876 fand das erste Kirchenkonzert statt. Weniger bekannt ist, dass 1940, mitten im 2. Weltkrieg eine neue Orgel eingeweiht wurde. Sie stammte wieder vom Orgelbauer E.F. Walcker und Cie, die sich als 2601 Werk herstellte. Zusammen mit der Einführung von Pfarrer Hammer fand so am 4. August 1940 eine Gemeindefeier statt. Nur drei Jahre später wurde die neue Orgel zusammen mit der übrigen Kirche zerstört.

Die neue Orgel konnte erst drei Jahre nach dem Ende des Wiederaufbaus 1957 in der Kirche aufgebaut werden, da sie vorher durch die Restfeuchtigkeit im frischen Bau Schaden genommen hätte. Bis heute ist das vermutlich letzte goldene Plakat von 1960 zur Einweihung der neuen Orgel, diesmal von Rieger, in einer versteckten Ecke im Turmaufgang an der Rückseite der Orgel zu finden.

Nach über 40 Jahren Dienstzeit waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten nötig. 2009 wurde die Orgel teilweise demontiert, gründlich gereinigt und schadhafte Teile ersetzt oder modernisiert. Das gesamte Projekt dauerte ein drei viertel Jahr und kostete um die 320.000 Euro. Bis heute ist die Orgel der Friedenskirche die größte in Krefeld und die zweitgrößte am Niederrhein.

Julian Windhövel